Ratgeber & Blog

Ratgeber

Immobilie verkaufen in Berlin: Was ist zu beachten?

6 Min. Lesezeit

Wer in Berlin eine Immobilie verkauft, bewegt sich in einem der dynamischsten und zugleich am stärksten regulierten Märkte Deutschlands. Von der realistischen Bewertung über Milieuschutz und Grunderwerbsteuer bis zum Notartermin gilt es, einige Besonderheiten zu beachten. Dieser Überblick führt Sie durch den kompletten Verkaufsprozess und verweist auf unsere vertiefenden Ratgeber zu jedem einzelnen Schritt.

Der Verkaufsprozess in Berlin im Überblick

Im Kern läuft ein Immobilienverkauf in Berlin wie überall in Deutschland ab – nur mit einigen lokalen Stolpersteinen. Diese Etappen sollten Sie einplanen:

  • Bewertung: Ermitteln Sie einen marktgerechten Angebotspreis auf Basis von Bodenrichtwert, Lage und Zustand.
  • Unterlagen: Stellen Sie Grundbuchauszug, Energieausweis, Grundriss und weitere Dokumente zusammen.
  • Exposé und Vermarktung: Erstellen Sie ein aussagekräftiges Exposé und inserieren Sie dort, wo Käufer suchen.
  • Besichtigungen: Zeigen Sie die Immobilie und legen Sie den Energieausweis vor.
  • Preisverhandlung und Bonitätsprüfung: Verhandeln Sie den Preis und lassen Sie sich die Finanzierung des Käufers bestätigen.
  • Notartermin: Der Notar beurkundet den Kaufvertrag – gesetzlich zwingend nach § 311b BGB.
  • Übergabe: Nach Kaufpreiszahlung und Grundbucheintrag übergeben Sie die Immobilie.

Zu jedem dieser Schritte finden Sie bei TraumImmo einen eigenen, ausführlichen Ratgeber. Dieser Beitrag ordnet sie ein und hebt hervor, was speziell in Berlin zählt.

Was ist Ihre Berliner Immobilie wert?

Der Angebotspreis entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Berlin ist dabei ein Flickenteppich: Zwischen einer Altbauwohnung in Mitte und einer vergleichbaren Wohnung in Marzahn liegen leicht mehrere tausend Euro pro Quadratmeter. Nach der Preiskorrektur der Jahre 2023 und 2024 und einer Trendwende 2025 bewegt sich der Markt 2026 wieder moderat aufwärts – ein zu ambitionierter Preis bleibt aber ein häufiger Grund für lange Vermarktungszeiten.

Eine erste, kostenfreie Orientierung geben die Bodenrichtwerte des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin, die über das Portal BORIS Berlin frei abrufbar sind. Der Ausschuss wertet dafür alle notariell beurkundeten Kauffälle der Stadt aus. Kombinieren Sie diesen Wert mit aktuellen Vergleichsangeboten in Ihrem Kiez und – bei Bedarf – einem professionellen Gutachten. Wie Sie den Wert genau ermitteln, erklären wir in unserem Ratgeber zur Immobilienbewertung.

Diese Unterlagen benötigen Sie

Käufer und deren Banken erwarten vollständige Unterlagen. Fehlt etwas, verzögert sich der Verkauf und wirkt auf Interessenten unseriös. Für die meisten Objekte brauchen Sie:

  • aktueller Grundbuchauszug
  • Energieausweis (Pflicht nach dem Gebäudeenergiegesetz)
  • Grundriss und Wohnflächenberechnung
  • Lageplan bzw. Flurkartenauszug
  • Nachweise über Modernisierungen und Sanierungen
  • bei Eigentumswohnungen zusätzlich: Teilungserklärung, Protokolle der Eigentümerversammlungen, aktueller Wirtschaftsplan und die Höhe der Instandhaltungsrücklage

Den Energieausweis müssen Sie spätestens bei der Besichtigung vorlegen. Schon in der Anzeige sind bestimmte Kennwerte anzugeben – fehlen sie, drohen nach dem Gebäudeenergiegesetz Bußgelder von bis zu 10.000 Euro.

Berliner Besonderheiten: Milieuschutz und Vorkaufsrecht

Hier unterscheidet sich Berlin deutlich von anderen Regionen. Über 80 soziale Erhaltungsgebiete – umgangssprachlich Milieuschutzgebiete – überziehen die Innenstadtbezirke. Verkaufen Sie ein Grundstück oder ein Mietshaus in einem solchen Gebiet, kann dem Bezirk ein Vorkaufsrecht zustehen (§ 24 BauGB). Nach Vorlage des Kaufvertrags hat er zwei Monate Zeit, es auszuüben. Seit einer Gesetzesänderung ist die Ausübung an strengere Voraussetzungen geknüpft, in der Praxis bleibt sie aber relevant.

Für einzelne Eigentumswohnungen wirkt der Milieuschutz vor allem über das Umwandlungsverbot: Die Aufteilung eines Mietshauses in einzelne Eigentumswohnungen ist in diesen Gebieten genehmigungspflichtig. Ob Ihre Immobilie betroffen ist, erfahren Sie beim zuständigen Bezirksamt. Diesem Thema widmen wir einen eigenen Ratgeber.

Steuern und Kosten beim Verkauf in Berlin

Rund um den Verkauf entstehen für die Beteiligten verschiedene Kosten:

  • Grunderwerbsteuer: In Berlin beträgt sie 6 Prozent des Kaufpreises. Sie zahlt üblicherweise der Käufer, erhöht aber dessen Gesamtbudget – ein Faktor, den Sie bei der Preisfindung mitdenken sollten.
  • Spekulationssteuer: Verkaufen Sie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf und haben die Immobilie nicht selbst bewohnt, kann auf den Gewinn Einkommensteuer anfallen (§ 23 EStG). Wer die Wohnung im Jahr des Verkaufs und den beiden Vorjahren selbst genutzt hat, verkauft in der Regel steuerfrei.
  • Maklerprovision: Beauftragen Sie einen Makler, teilen sich Käufer und Verkäufer bei selbst genutztem Wohnraum die Provision verpflichtend zu gleichen Teilen (§ 656c BGB). In Berlin sind insgesamt rund 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer üblich.
  • Vorfälligkeitsentschädigung: Läuft noch ein Immobilienkredit, kann die Bank bei vorzeitiger Ablösung eine Entschädigung verlangen.

Vorteile und Nachteile: mit oder ohne Makler verkaufen

Als Verkäufer in Berlin stehen Sie vor der Grundsatzentscheidung, ob Sie selbst verkaufen oder einen Makler beauftragen. Beide Wege haben ihre Berechtigung:

  • Vorteil Eigenverkauf: Sie sparen Ihren Anteil an der Provision und behalten die volle Kontrolle über Preis und Termine.
  • Vorteil Eigenverkauf: Sie kennen Ihre Immobilie und Ihren Kiez oft besser als jeder Externe.
  • Nachteil Eigenverkauf: Vermarktung, Besichtigungen und Verhandlungen kosten viel Zeit – gerade im nachfragestarken Berlin.
  • Vorteil Makler: Ein guter Makler kennt den lokalen Markt, übernimmt die Organisation und filtert unseriöse Interessenten heraus.
  • Nachteil Makler: Es fällt die anteilige Provision an, und Sie geben einen Teil der Steuerung aus der Hand.

Wie der Verkauf in Eigenregie gelingt, lesen Sie in unserem ausführlichen Beitrag „Immobilie verkaufen ohne Makler".

FAQ zum Immobilienverkauf in Berlin

Wie lange dauert ein Immobilienverkauf in Berlin?

Von der Vorbereitung bis zur Schlüsselübergabe sollten Sie mit etwa drei bis sechs Monaten rechnen. In gefragten Innenstadtlagen geht es oft schneller, während die Prüfung eines Vorkaufsrechts im Milieuschutzgebiet zusätzliche Wochen kosten kann.

Muss ich einen Makler beauftragen?

Nein. Eine gesetzliche Pflicht besteht nicht. Zwingend ist allein die notarielle Beurkundung des Kaufvertrags nach § 311b BGB. Den Notar suchen Sie gemeinsam mit dem Käufer aus.

Was ist beim Verkauf im Milieuschutzgebiet zu beachten?

Der Bezirk kann ein Vorkaufsrecht ausüben, und die Umwandlung in einzelne Eigentumswohnungen ist genehmigungspflichtig. Klären Sie den Status Ihrer Immobilie frühzeitig mit dem Bezirksamt.

Wer zahlt die Grunderwerbsteuer?

In der Praxis trägt der Käufer die Grunderwerbsteuer von 6 Prozent. Als Verkäufer sollten Sie den Satz dennoch kennen, weil er das verfügbare Budget Ihrer Interessenten beeinflusst.

Fällt beim Verkauf Spekulationssteuer an?

Nur, wenn Sie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf verkaufen und die Immobilie nicht selbst bewohnt haben. Selbst genutztes Wohneigentum bleibt unter den Voraussetzungen des § 23 EStG in der Regel steuerfrei.

Fazit: Gut vorbereitet in Berlin verkaufen

Ein Immobilienverkauf in Berlin gelingt, wenn Sie den Preis realistisch ansetzen, alle Unterlagen bereithalten und die lokalen Regeln – allen voran Milieuschutz und Grunderwerbsteuer – von Anfang an mitdenken. Nutzen Sie diesen Überblick als Ausgangspunkt und vertiefen Sie die einzelnen Etappen in unseren weiterführenden Ratgebern. So behalten Sie den gesamten Prozess von der Bewertung bis zum Notartermin sicher in der Hand.