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Verkaufspreis selbst festlegen: Wie ermittelt man ohne Makler den richtigen Preis?

7 Min. Lesezeit

Der Angebotspreis ist die wichtigste Entscheidung vor dem Inserat – er entscheidet darüber, ob Sie zügig verkaufen oder monatelang auf Interessenten warten. Die gute Nachricht: Auch ohne Makler und ohne teures Gutachten können Sie mit frei zugänglichen Daten einen realistischen Preis ermitteln. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Bodenrichtwert, Vergleichswerte und einen sinnvollen Verhandlungspuffer kombinieren – und welche Fehler den Verkauf ausbremsen.

Verkehrswert, Angebotspreis und Verhandlungsspielraum

Bevor Sie eine Zahl festlegen, sollten Sie drei Begriffe auseinanderhalten:

  • Verkehrswert (Marktwert): der objektive Wert Ihrer Immobilie zum Bewertungsstichtag. Gesetzlich ist er als der Preis definiert, der „im gewöhnlichen Geschäftsverkehr" nach Lage, Zustand und rechtlichen Gegebenheiten erzielbar wäre (§ 194 BauGB).
  • Angebotspreis: die Zahl, mit der Sie inserieren. Sie liegt in der Praxis meist leicht über dem angestrebten Verkaufserlös, damit Raum für Verhandlungen bleibt.
  • Verhandlungsspielraum: die Differenz zwischen Angebotspreis und dem Betrag, bei dem Sie noch zusagen würden.

In diesem Ratgeber geht es um die Preisfindung vor dem Inserat – also darum, wie Sie zu einem marktgerechten Angebotspreis kommen. Wie Sie später am Küchentisch verhandeln, ist ein eigenes Thema.

In vier Schritten zum realistischen Angebotspreis

Schritt 1: Bodenrichtwert kostenlos abrufen

Der Bodenrichtwert gibt den durchschnittlichen Lagewert des Bodens je Quadratmeter an. Er wird von den amtlichen Gutachterausschüssen aus tatsächlichen Kauffällen abgeleitet und mindestens zu Beginn jedes zweiten Kalenderjahres neu festgesetzt (§ 196 BauGB). Jede Person darf diese Werte einsehen – in vielen Bundesländern kostenlos und ohne Anmeldung über das bundesweite Portal BORIS-D.

Den reinen Bodenwert schätzen Sie so:

Grundstücksfläche in m² × Bodenrichtwert in €/m² = Bodenwert

Ein Beispiel: 500 m² Grundstück mal 400 €/m² Bodenrichtwert ergeben einen Bodenwert von 200.000 Euro. Bei einem unbebauten Grundstück sind Sie damit fast am Ziel. Bei einem Haus kommt der Gebäudewert hinzu – dazu später mehr.

Schritt 2: Vergleichswerte sammeln

Der wichtigste Realitätscheck sind vergleichbare Objekte in Ihrer Lage. Suchen Sie auf Immobilienportalen und in Metasuchmaschinen wie TraumImmo nach Angeboten mit ähnlicher Wohnfläche, ähnlichem Baujahr und ähnlicher Ausstattung im selben Viertel. Wichtig: Diese Portalpreise sind Angebotspreise, keine tatsächlich erzielten Kaufpreise – sie liegen oft über dem, was am Ende gezahlt wird.

Belastbarer sind die real bezahlten Preise aus der amtlichen Kaufpreissammlung. Jeder Kaufvertrag geht über den Notar an den zuständigen Gutachterausschuss (§ 195 BauGB). Daraus entsteht jährlich ein Grundstücksmarktbericht, den viele Ausschüsse veröffentlichen. Eine individuelle Auskunft aus der Kaufpreissammlung ist bei berechtigtem Interesse möglich, je nach Bundesland kostet sie in der Regel zwischen 150 und 500 Euro.

Schritt 3: Das passende Bewertungsverfahren wählen

Die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV), in Kraft seit dem 1. Januar 2022, kennt drei anerkannte Verfahren. Welches passt, hängt vom Objekt ab:

  • Vergleichswertverfahren: Standard für Eigentumswohnungen und Grundstücke. Der Wert wird direkt aus verkauften, vergleichbaren Objekten abgeleitet. Für Laien am leichtesten nachvollziehbar.
  • Sachwertverfahren: geeignet für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser. Hier zählen die Herstellungskosten des Gebäudes abzüglich einer Alterswertminderung, zuzüglich Bodenwert.
  • Ertragswertverfahren: für vermietete Mehrfamilienhäuser und Gewerbe, bei denen die Mietrendite im Vordergrund steht.

Für die meisten privaten Verkäufer ist der Vergleichswert der praktikabelste Ausgangspunkt – ergänzt um den Bodenwert aus Schritt 1.

Schritt 4: Zu- und Abschläge sowie Verhandlungspuffer

Kein Objekt gleicht dem anderen. Passen Sie den groben Wert mit Zu- und Abschlägen an:

  • Zustand und Modernisierung: frisches Bad, neue Fenster oder Dach heben den Wert; ein Sanierungsstau senkt ihn.
  • Energieeffizienz: Häuser mit schlechter Energieklasse (F, G oder H) sind 2026 spürbar schwerer verkäuflich, weil Käufer die Sanierungskosten einpreisen.
  • Lage und Schnitt: Mikrolage, Lärm, Ausrichtung und Grundriss wirken direkt auf die Zahlungsbereitschaft.

Erst am Ende schlagen Sie einen moderaten Verhandlungspuffer auf – üblich sind wenige Prozent. Widerstehen Sie der Versuchung, den Preis „zur Sicherheit" deutlich zu überhöhen: Ein zu teures Inserat wird zum Ladenhüter, und spätere Preissenkungen wirken auf Interessenten wie ein Warnsignal.

Welche Daten und Werkzeuge Sie nutzen können

Für die Eigenbewertung stehen Ihnen mehrere Quellen zur Verfügung:

  • BORIS-D und die Länderportale für den Bodenrichtwert (meist kostenlos).
  • Grundstücksmarktberichte der Gutachterausschüsse für regionale Preisniveaus und Trends.
  • Immobilienportale und Metasuchen wie TraumImmo für aktuelle Angebotspreise in Ihrer Lage.
  • Online-Wertrechner für eine schnelle erste Orientierung – als grobe Näherung, nicht als belastbares Ergebnis.
  • Ein Kurzgutachten eines Sachverständigen, wenn Sie bei einem besonderen Objekt auf Nummer sicher gehen wollen.

Ein Blick auf die Marktlage lohnt sich ebenfalls: Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für Wohnimmobilien im 1. Quartal 2026 im Schnitt 1,4 Prozent über dem Vorjahresquartal – mit deutlichen regionalen Unterschieden. Für Eigentumswohnungen zogen die Preise in dünn besiedelten ländlichen Kreisen um 3,6 Prozent an, während sie in dicht besiedelten Umlandkreisen leicht nachgaben. Ihr lokaler Markt kann also stark vom Bundestrend abweichen.

Was kostet die Wertermittlung ohne Makler?

Die Preisfindung muss nicht teuer sein. Rechnen Sie mit diesen Größenordnungen:

  • Bodenrichtwert online: in vielen Ländern kostenlos; ein amtlicher schriftlicher Nachweis kostet je nach Kommune rund 15 bis 50 Euro.
  • Auskunft aus der Kaufpreissammlung: meist 150 bis 500 Euro.
  • Online-Wertrechner: in der Regel kostenlos, dafür ungenau.
  • Kurzgutachten: einige hundert Euro; ein ausführliches Verkehrswertgutachten kostet deutlich mehr, ist für den reinen Verkauf aber selten nötig.

Häufige Fehler bei der Preisfindung

  • Emotionaler Aufschlag: Erinnerungen und Eigenleistung erhöhen nicht den Marktwert. Käufer zahlen für Zustand und Lage, nicht für Ihre Geschichte.
  • Angebots- mit Verkaufspreisen verwechseln: Portalpreise sind Wunschpreise. Verlassen Sie sich zusätzlich auf real erzielte Kaufpreise.
  • Energieausweis ignorieren: Eine schwache Energieklasse drückt den erzielbaren Preis – wer sie ausblendet, setzt zu hoch an.
  • Veraltete Vergleichswerte: Der Markt ändert sich. Nutzen Sie aktuelle Daten, nicht die Verkaufszahlen der Nachbarn von vor fünf Jahren.
  • Zu hoher Puffer: Ein überzogener Startpreis kostet Reichweite in den ersten – entscheidenden – Wochen des Inserats.

FAQ zur Preisermittlung ohne Makler

Wie finde ich ohne Gutachter einen realistischen Preis?

Kombinieren Sie drei Bausteine: den Bodenrichtwert aus BORIS-D, aktuelle Vergleichsangebote in Ihrer Lage und – wenn vorhanden – real erzielte Preise aus dem Grundstücksmarktbericht. Passen Sie das Ergebnis mit Zu- und Abschlägen für Zustand, Energieklasse und Ausstattung an.

Was ist der Unterschied zwischen Verkehrswert und Angebotspreis?

Der Verkehrswert ist der objektive Marktwert nach § 194 BauGB. Der Angebotspreis ist die Zahl im Inserat; er liegt meist etwas darüber, um Verhandlungsspielraum zu schaffen.

Wo bekomme ich kostenlose Vergleichspreise?

Angebotspreise finden Sie kostenlos auf Immobilienportalen und Metasuchmaschinen. Real erzielte Preise stehen in den Grundstücksmarktberichten der Gutachterausschüsse, die vielerorts kostenfrei veröffentlicht werden.

Wie viel Verhandlungspuffer sollte ich einplanen?

Ein moderater Aufschlag von wenigen Prozent ist üblich. Er sollte hoch genug für ein echtes Entgegenkommen sein, aber nicht so hoch, dass Ihr Inserat aus der Suchergebnisliste vergleichbarer Objekte herausfällt.

Sind Online-Immobilienrechner zuverlässig?

Sie liefern eine schnelle erste Orientierung, arbeiten aber mit Durchschnittswerten und kennen die Besonderheiten Ihres Objekts nicht. Nutzen Sie sie als Startpunkt und prüfen Sie das Ergebnis mit Bodenrichtwert und echten Vergleichswerten gegen.

Vorteile und Nachteile der eigenen Preisermittlung

  • Vorteil – Kostenersparnis: Die wichtigsten Daten sind frei oder günstig zugänglich; ein teures Gutachten ist für den Standardfall nicht nötig.
  • Vorteil – Objektkenntnis: Sie kennen Zustand, Ausstattung und Historie Ihrer Immobilie besser als jeder Außenstehende.
  • Vorteil – Kontrolle: Sie legen den Preis selbst fest und behalten die Verhandlungslinie in der Hand.
  • Nachteil – fehlende Routine: Ohne Marktpraxis fällt es schwer, Zu- und Abschläge richtig zu gewichten.
  • Nachteil – Betriebsblindheit: Die emotionale Bindung führt schnell zu einem überhöhten Preis.
  • Nachteil – Datengrenzen: In Lagen mit wenigen Verkäufen fehlen belastbare Vergleichswerte – hier kann ein Kurzgutachten sinnvoll sein.

Fazit: Solide Datenbasis schlägt Bauchgefühl

Einen marktgerechten Angebotspreis können Sie auch ohne Makler ermitteln – vorausgesetzt, Sie stützen sich auf Daten statt auf Wunschvorstellungen. Bodenrichtwert, aktuelle Vergleichsangebote und real erzielte Kaufpreise ergeben zusammen ein belastbares Bild, das Sie mit Zu- und Abschlägen für Ihr Objekt verfeinern. Wer hier sorgfältig arbeitet und den Verhandlungspuffer maßvoll ansetzt, verkauft schneller und lässt kein Geld liegen. Ist Ihr Preis gefunden, geht es an das aussagekräftige Inserat – und die eigentliche Vermarktung.