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Home Staging: Lohnt sich die Inszenierung beim Verkauf?

7 Min. Lesezeit

Home Staging soll eine Immobilie ins beste Licht rücken, damit sie schneller und zu einem höheren Preis verkauft wird – doch die professionelle Inszenierung kostet je nach Objekt schnell mehrere tausend Euro. Ob sich diese Investition auszahlt, hängt vom Zustand der Immobilie, der Marktlage und der Art des Stagings ab. Wir erklären Ihnen, was Home Staging ist, was es kostet und wie es auf Verkaufspreis und Verkaufsdauer wirkt – damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen.

Was ist Home Staging?

Home Staging (englisch „to stage" = in Szene setzen) bezeichnet die gezielte Aufbereitung einer Immobilie für den Verkauf. Ziel ist es, Räume hell, großzügig und wohnlich wirken zu lassen, damit sich möglichst viele Interessenten sofort angesprochen fühlen. Dazu gehören typischerweise das Entrümpeln und Neutralisieren der Räume, eine dezente Möblierung, abgestimmte Farben und Textilien, ein durchdachtes Lichtkonzept sowie kleinere kosmetische Reparaturen.

Man unterscheidet zwei Varianten:

  • Klassisches (physisches) Home Staging: Die Räume werden real mit Leihmöbeln und Dekoration eingerichtet. Die Besichtigungen finden in der inszenierten Wohnung statt.
  • Virtuelles Home Staging: Leere oder veraltete Räume werden ausschließlich digital am Foto möbliert. Die Bilder wirken einladend, die Besichtigung findet aber in der leeren Wohnung statt.

Wichtig: Home Staging ist keine Verschleierung von Mängeln. Sie bleiben als Verkäufer verpflichtet, bekannte Schäden offenzulegen – auch wenn ein Foto virtuell aufgehübscht wurde. Digital eingefügte Möbel sollten Sie zudem als solche kennzeichnen, um keine falschen Erwartungen zu wecken.

Vorteile und Nachteile von Home Staging

Ob sich die Inszenierung lohnt, ist eine Abwägung. Diese Punkte sprechen dafür und dagegen:

  • Vorteil – besserer erster Eindruck: Ein Großteil der Kaufentscheidung fällt in den ersten Sekunden. Gut inszenierte Fotos erhöhen die Klickrate im Inserat und die Zahl der Besichtigungsanfragen.
  • Vorteil – kürzere Vermarktungsdauer: Aufgeräumte, wohnliche Räume helfen Interessenten, sich das Wohnen vorzustellen, und verkürzen erfahrungsgemäß die Zeit bis zum Abschluss.
  • Vorteil – stärkere Verhandlungsposition: Wer emotional überzeugt, muss seltener über den Preis nachlassen.
  • Nachteil – Kosten in Vorleistung: Sie tragen die Staging-Kosten, bevor der Verkauf abgeschlossen ist. Bei einem ohnehin gefragten Objekt kann dieser Aufwand unnötig sein.
  • Nachteil – begrenzte Wirkung bei Sanierungsstau: Optik ersetzt keine intakte Bausubstanz. Ein feuchter Keller oder eine veraltete Heizung lassen sich nicht wegstylen.
  • Nachteil – Aufwand und Organisation: Physisches Staging bedeutet Termine, Logistik und – bei bewohnten Objekten – Einschränkungen im Alltag.

Was kostet Home Staging?

Als Faustregel gilt: Professionelles Home Staging kostet meist unter drei Prozent des Verkaufspreises. Die tatsächlichen Kosten hängen von Objektgröße, Leihdauer und Umfang ab:

  • Beratung bzw. DIY-Begleitung: ab etwa 300 Euro für eine fachliche Einschätzung mit Umsetzungsplan bei Objekten bis rund 100 Quadratmeter.
  • Virtuelles Staging: je nach Anbieter ab rund 20 bis 100 Euro pro Foto – die günstigste Variante, ideal für Online-Inserate.
  • Klassisches Staging einer Wohnung (60–80 m²): meist zwischen 2.000 und 5.000 Euro.
  • Klassisches Staging eines Hauses (120–200 m²): je nach Ausstattung rund 5.000 bis 15.000 Euro, üblicherweise für einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten.

Diese Beträge sind Orientierungswerte; ein verbindliches Angebot erhalten Sie erst nach einer Objektbesichtigung. Entscheidend ist am Ende nicht der Preis allein, sondern das Verhältnis von Kosten zu erwartetem Mehrerlös.

Wie wirkt Home Staging auf Preis und Verkaufsdauer?

Die zentrale Frage lautet: Bekommen Sie mehr heraus, als Sie investieren? Die Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign (DGHR), der Branchenverband seit 2010, nennt in ihren Auswertungen deutliche Effekte:

  • Höherer Verkaufspreis: bis zu 15 Prozent mehr als bei nicht inszenierten Objekten.
  • Schnellerer Verkauf: gestagte Immobilien wechseln laut DGHR im Schnitt rund ein Drittel schneller den Eigentümer; ein großer Teil verkauft sich innerhalb weniger Wochen.
  • Höhere Abschlussquote: ein Großteil der inszenierten Objekte wird zum Angebotspreis oder darüber verkauft.

Diese Zahlen stammen vom Branchenverband selbst und sind daher als Best-Case-Werte zu lesen – unabhängig geprüft sind sie nur bedingt. Plausibel ist der Effekt dennoch: Ein aufgeräumtes, hell wirkendes Zuhause reduziert die „Vorstellungslast" beim Interessenten und schwächt die Argumente von Schnäppchenjägern. Rechnen wir ein Beispiel: Kostet das Staging 4.000 Euro und hebt es den Verkaufspreis einer 400.000-Euro-Immobilie um nur zwei Prozent, stehen 8.000 Euro Mehrerlös den Kosten gegenüber – die Investition hätte sich verdoppelt.

Die Kehrseite: In einem angespannten Verkäufermarkt mit knappem Angebot verkauft sich auch eine leere Wohnung. Dort trägt Staging weniger zum Ergebnis bei.

Für wen lohnt sich Home Staging – und für wen nicht?

Home Staging entfaltet den größten Hebel, wenn die Optik über den Preis entscheidet. Besonders sinnvoll ist es bei:

  • leerstehenden Immobilien, in denen Räume ohne Möbel klein und unpersönlich wirken;
  • veralteten oder sehr individuell eingerichteten Objekten, deren Einrichtung viele Interessenten abschreckt;
  • Objekten mit schwierigem Grundriss, bei denen erst die Möblierung die Nutzung verständlich macht;
  • Immobilien in Regionen mit großem Angebot, in denen Sie sich von der Konkurrenz abheben müssen.

Weniger lohnend ist die Inszenierung, wenn Ihre Immobilie ohnehin stark nachgefragt ist, wenn sie als Sanierungsobjekt oder Abrissgrundstück verkauft wird oder wenn sie bereits gepflegt und geschmackvoll eingerichtet ist. Dann genügen oft professionelle Fotos und ein überzeugendes Exposé, damit Ihr Inserat auf Portalen und Metasuchmaschinen auffällt.

Sind die Kosten für Home Staging steuerlich absetzbar?

In bestimmten Fällen ja. Verkaufen Sie eine Immobilie innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist und ist der Gewinn steuerpflichtig, mindern die Vermarktungskosten – dazu zählen auch Home-Staging-Kosten – als Veräußerungs- bzw. Werbungskosten den zu versteuernden Gewinn. Denn nach § 23 EStG ist der Gewinn der Unterschied zwischen dem Veräußerungspreis einerseits und den Anschaffungs- oder Herstellungskosten und den Werbungskosten andererseits. Haben Sie die Immobilie dagegen selbst bewohnt, ist der Verkauf in der Regel ohnehin steuerfrei – dann entfällt auch der Abzug. Klären Sie den konkreten Fall mit Ihrem Steuerberater.

FAQ zu Home Staging

Lohnt sich Home Staging auch bei einer günstigen Immobilie?

Meist ja, sofern die Kosten im Verhältnis stehen. Statt eines aufwendigen physischen Stagings genügt bei kleineren Objekten oft eine Kombination aus Entrümpeln, kleinen Reparaturen und virtuellem Staging der Inseratsfotos.

Was ist der Unterschied zwischen virtuellem und klassischem Home Staging?

Beim virtuellen Staging werden Möbel nur digital ins Foto eingefügt – günstig, aber die Wohnung bleibt bei der Besichtigung leer. Beim klassischen Staging wird real eingerichtet, sodass auch der Vor-Ort-Termin überzeugt. Virtuelle Bilder sollten stets als bearbeitet gekennzeichnet sein.

Muss ich trotz Home Staging Mängel offenlegen?

Ja. Die Inszenierung ändert nichts an Ihrer Aufklärungspflicht. Bekannte Mängel wie Feuchtigkeit oder Schäden müssen Sie offenlegen – unabhängig davon, wie die Immobilie präsentiert wird. Andernfalls drohen Schadenersatzforderungen.

Wie lange dauert Home Staging?

Die Aufbereitung selbst nimmt je nach Umfang wenige Tage bis rund zwei Wochen in Anspruch. Die Leihmöbel bleiben beim klassischen Staging üblicherweise für die Dauer der Vermarktung, meist zwei bis drei Monate.

Kann ich Home Staging selbst machen?

Grundlegende Schritte wie Entrümpeln, Reinigen und eine neutrale Gestaltung können Sie selbst umsetzen. Für ein stimmiges Gesamtbild und die richtige Möbelauswahl lohnt sich jedoch oft eine fachliche Beratung.

Fazit: Wann sich die Inszenierung rechnet

Home Staging lohnt sich vor allem dann, wenn die Optik den Ausschlag gibt: bei leeren, veralteten oder erklärungsbedürftigen Objekten und in Märkten mit viel Konkurrenz. Die entscheidende Rechnung ist einfach – der erwartete Mehrerlös muss die Kosten übersteigen, und schon eine Preissteigerung von wenigen Prozent gleicht ein professionelles Staging meist aus. In einem gefragten Markt oder bei bereits gepflegten Immobilien reichen dagegen oft gute Fotos und ein überzeugendes Exposé. Prüfen Sie daher nüchtern, welchen Beitrag die Inszenierung in Ihrer Situation leisten kann – und stellen Sie die Kosten dem realistischen Mehrwert gegenüber.