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Welche Darlehensarten gibt es bei der Baufinanzierung?

7 Min. Lesezeit

Die meisten Immobilienkäufer denken bei der Baufinanzierung automatisch an eine feste monatliche Rate über viele Jahre. Tatsächlich gibt es mehrere Kreditformen, die sich in Tilgung, Zinsbindung und Flexibilität deutlich unterscheiden – und je nach Lebenssituation die klügere Wahl sein können. Wir stellen Ihnen die wichtigsten Darlehensarten mit ihren Vor- und Nachteilen gegenüber und zeigen, für wen sich welche Variante eignet.

Was eine Darlehensart ausmacht

Rechtlich ist jeder Immobilienkredit ein Darlehensvertrag im Sinne von § 488 BGB: Die Bank stellt Ihnen einen Geldbetrag zur Verfügung, den Sie verzinsen und zurückzahlen. Wie genau das geschieht, entscheidet über die Darlehensart. Drei Stellschrauben sind dabei ausschlaggebend:

  • Tilgung: Zahlen Sie parallel zu den Zinsen laufend zurück, gar nicht oder vollständig innerhalb der Laufzeit?
  • Zinsbindung: Ist der Sollzins über einen festen Zeitraum garantiert oder passt er sich dem Markt an?
  • Laufzeit und Restschuld: Bleibt am Ende eine Restschuld, die neu finanziert werden muss?

Aus der Kombination dieser Faktoren ergeben sich die folgenden fünf Darlehensarten.

Das Annuitätendarlehen: der Standard

Das Annuitätendarlehen ist die mit Abstand häufigste Form der Baufinanzierung in Deutschland. Sein Kern ist die Annuität – eine monatliche Rate, die über die gesamte Zinsbindung konstant bleibt. Diese Rate setzt sich aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammen. Da mit jeder Zahlung die Restschuld sinkt, verschiebt sich das Verhältnis: Der Zinsanteil wird kleiner, der Tilgungsanteil größer. Üblich ist eine Anfangstilgung von zwei bis drei Prozent.

Der große Vorteil ist die Planungssicherheit. Bei einer zehnjährigen Zinsbindung wissen Sie über ein ganzes Jahrzehnt genau, wie hoch Ihre Rate ist. Der Nachteil: Nach Ablauf der Zinsbindung bleibt meist eine Restschuld, für die Sie eine Anschlussfinanzierung zu den dann gültigen Konditionen benötigen. Im Jahr 2026 bewegen sich die Bauzinsen für zehnjährige Zinsbindungen je nach Bonität und Objekt um die 3,5 bis 3,9 Prozent.

  • Vorteil: hohe Planungssicherheit durch konstante Rate
  • Vorteil: flexibel gestaltbar über Tilgungssatz und Sondertilgungen
  • Nachteil: Restschuld und Zinsänderungsrisiko nach der Zinsbindung

Das Volltilgerdarlehen: schuldenfrei am Ende der Zinsbindung

Beim Volltilgerdarlehen wird die komplette Kreditsumme innerhalb der Zinsbindung zurückgezahlt. Nach dem letzten Zahltag sind Sie schuldenfrei – eine Anschlussfinanzierung entfällt, und das Zinsänderungsrisiko ebenfalls. Nicht die Tilgungsrate steht im Vordergrund, sondern der Zeitpunkt, zu dem Sie schuldenfrei sein möchten; daraus errechnet die Bank die nötige Rate. Viele Banken gewähren für Volltilger einen kleinen Zinsrabatt, weil das Restschuldrisiko entfällt.

Der Preis dafür ist eine spürbar höhere Monatsrate und weniger Spielraum: Weil die Tilgung fest an die Laufzeit gekoppelt ist, sind Ratenanpassungen oder Tilgungspausen kaum möglich.

  • Vorteil: garantiert schuldenfrei, keine Anschlussfinanzierung, oft Zinsrabatt
  • Nachteil: hohe feste Rate, wenig Flexibilität

Das endfällige Darlehen: erst nur Zinsen, dann alles auf einmal

Beim endfälligen Darlehen (auch Festdarlehen genannt) zahlen Sie während der Laufzeit ausschließlich Zinsen. Die Tilgung erfolgt am Ende in einer einzigen Summe. Das hält die laufende Belastung niedrig, macht das Darlehen in der Summe aber teurer: Da die Restschuld nie sinkt, fallen über die gesamte Laufzeit Zinsen auf den vollen Betrag an. Meist wird parallel ein Tilgungsersatz angespart – etwa ein Bausparvertrag, ein Fondssparplan oder eine Lebensversicherung –, aus dem am Ende zurückgezahlt wird.

Für Selbstnutzer ist diese Form selten sinnvoll. Interessant wird sie vor allem für Kapitalanleger, weil die Schuldzinsen einer vermieteten Immobilie als Werbungskosten steuerlich absetzbar sind und durch die fehlende Tilgung dauerhaft hoch bleiben.

  • Vorteil: niedrige laufende Rate, steuerlich attraktiv für Vermieter
  • Nachteil: höchste Gesamtzinskosten, zusätzliches Risiko beim Tilgungsersatz

Das variable Darlehen: flexibel, aber ungewiss

Ein variables Darlehen hat keine feste Zinsbindung. Der Zins orientiert sich an einem Referenzzinssatz – üblicherweise dem 3-Monats-Euribor – zuzüglich einer Bankmarge von meist 0,8 bis 2,0 Prozentpunkten und wird in der Regel alle drei Monate angepasst. Sinken die Marktzinsen, profitieren Sie sofort; steigen sie, steigt Ihre Rate.

Der große Pluspunkt ist die Flexibilität: Sie können ein variables Darlehen jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen und ohne Vorfälligkeitsentschädigung zurückzahlen (§ 489 Abs. 2 BGB). Das macht es zur guten Wahl für Überbrückungen – etwa, wenn Sie den Verkaufserlös einer anderen Immobilie erwarten. Als dauerhafte Vollfinanzierung ist es wegen des Zinsrisikos nur für risikobereite Käufer geeignet.

  • Vorteil: volle Flexibilität, keine Vorfälligkeitsentschädigung, Chance bei fallenden Zinsen
  • Nachteil: unkalkulierbares Zinsrisiko, keine Planungssicherheit

Das Bauspardarlehen: sparen und finanzieren in einem

Ein Bausparvertrag verbindet zwei Phasen. In der Ansparphase zahlen Sie über meist sieben bis zehn Jahre ein Guthaben an, bis rund 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme erreicht sind und der Vertrag zuteilungsreif wird. Danach folgt die Darlehensphase: Sie erhalten das Bauspardarlehen zu einem Zins, der bereits bei Vertragsabschluss feststand. Diese sehr lange Zinssicherheit ist der eigentliche Reiz – gerade in Zeiten unsicherer Zinsentwicklung.

Die Kehrseite: Das Guthaben wird in der Ansparphase kaum verzinst (im Schnitt rund 0,25 Prozent), und beim Abschluss fällt eine Abschlussgebühr von meist rund 1,6 Prozent der Bausparsumme an. Zudem sind Bauspardarlehen mit typischerweise 20.000 bis 100.000 Euro begrenzt und reichen für einen kompletten Kauf selten aus. Als Baustein für Modernisierung, Anschlussfinanzierung oder einen erst in einigen Jahren geplanten Kauf sind sie jedoch attraktiv – zumal Sie staatliche Förderungen wie die Wohnungsbauprämie nutzen können.

  • Vorteil: langfristige Zinssicherheit, staatliche Förderung möglich
  • Nachteil: niedrige Guthabenverzinsung, Abschlussgebühr, ungewisser Zuteilungszeitpunkt

Förderdarlehen als Ergänzung

Neben diesen klassischen Formen lohnt ein Blick auf zinsverbilligte Förderdarlehen. Das KfW-Wohneigentumsprogramm etwa fördert selbstgenutztes Wohneigentum mit bis zu 100.000 Euro pro Vorhaben und lässt sich mit anderen Darlehen kombinieren. Nach den Zinssenkungen im Frühjahr 2026 sind einzelne KfW-Kredite deutlich günstiger als der Marktzins. Solche Förderkredite ersetzen die Hauptfinanzierung in der Regel nicht, senken aber als zusätzlicher Baustein den Durchschnittszins Ihrer Finanzierung.

Welche Darlehensart passt zu wem?

  • Sicherheitsorientierte Selbstnutzer: Annuitätendarlehen mit langer Zinsbindung, bei gutem Einkommen auch ein Volltilgerdarlehen.
  • Käufer, die schnell schuldenfrei sein wollen: Volltilgerdarlehen.
  • Kapitalanleger und Vermieter: endfälliges Darlehen mit Tilgungsersatz.
  • Kurzfristige Überbrückung: variables Darlehen.
  • Langfristige Planer und Modernisierer: Bauspardarlehen, oft kombiniert mit einem Annuitätendarlehen.

FAQ zu den Darlehensarten

Welche Darlehensart ist am günstigsten?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Über die gesamte Laufzeit ist ein Volltilgerdarlehen wegen der schnellen Tilgung und des Zinsrabatts häufig am günstigsten, während das endfällige Darlehen die höchsten Zinskosten verursacht. Entscheidend sind aber immer Ihre persönliche Situation und die aktuellen Konditionen.

Kann ich verschiedene Darlehensarten kombinieren?

Ja, das ist sogar üblich. Viele Finanzierungen bestehen aus einem Annuitätendarlehen als Basis, ergänzt um ein KfW-Förderdarlehen und gegebenenfalls einen Bausparvertrag. So lassen sich Zinssicherheit, Förderung und Flexibilität miteinander verbinden.

Was passiert nach Ablauf der Zinsbindung?

Bei Annuitäten- und endfälligen Darlehen bleibt in der Regel eine Restschuld. Für diese vereinbaren Sie eine Anschlussfinanzierung – entweder bei Ihrer bisherigen Bank (Prolongation) oder bei einem anderen Institut (Umschuldung). Volltilgerdarlehen sind zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig getilgt.

Wann kann ich ein Darlehen vorzeitig kündigen?

Ein Darlehen mit festem Sollzins können Sie nach § 489 BGB nach Ablauf von zehn Jahren ab vollständiger Auszahlung jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen. Zahlen Sie früher zurück, darf die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen; bei Verbraucherdarlehen ist diese auf 1 Prozent (bzw. 0,5 Prozent bei einer Restlaufzeit unter einem Jahr) des zurückgezahlten Betrags begrenzt (§ 502 BGB). Variable Darlehen sind ohnehin jederzeit mit drei Monaten Frist kündbar.

Welche Darlehensart eignet sich für Kapitalanleger?

Für vermietete Immobilien ist häufig das endfällige Darlehen interessant, weil die durchgängig hohen Schuldzinsen als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden können. Ob sich das im Einzelfall rechnet, sollten Sie mit einer Steuerberatung prüfen.

Fazit: Die passende Darlehensart hängt von Ihrem Ziel ab

Es gibt nicht die eine beste Darlehensart – es gibt nur die passende für Ihre Situation. Wer Sicherheit sucht, ist mit einem Annuitäten- oder Volltilgerdarlehen gut beraten. Kapitalanleger profitieren oft vom endfälligen Darlehen, flexible Käufer vom variablen Zins, langfristige Planer vom Bausparvertrag. In der Praxis führt häufig eine Kombination mehrerer Bausteine zum besten Ergebnis. Vergleichen Sie die Angebote sorgfältig und beziehen Sie Zinsbindung, Tilgung und Fördermöglichkeiten gemeinsam in Ihre Entscheidung ein.